Was ist ein Indexfonds? So funktioniert er, das kostet er, so wählst du einen aus
Inhalt
1. Die kurze Antwort
Ein Indexfonds ist ein Investmentfonds, dessen einziges Ziel es ist, einen Index – den MSCI World, den S&P 500, den Nasdaq-100 – so genau wie möglich nachzubilden. Niemand wählt aus, welche Unternehmen gekauft werden: Das entscheidet der Index, und der Fonds folgt ihm.
Deshalb spricht man von passivem Management. Weil kein Analystenteam Aktien auswählt, betragen die laufenden Kosten (TER) nur einen Bruchteil eines aktiven Fonds: meist zwischen 0,05 % und 0,30 % pro Jahr, gegenüber 1 % bis 2 % bei vielen aktiv gemanagten Bankfonds.
2. So funktioniert er von innen
Wenn du Geld einzahlst, kauft die Fondsgesellschaft die Indexwerte in ihrer Indexgewichtung. Macht Apple 5 % des Index aus, landen ungefähr 5 % deines Geldes in Apple. Ändert sich der Index – ein Unternehmen kommt hinzu, ein anderes fällt heraus –, passt der Fonds sich an.
Es gibt zwei Arten der Nachbildung. Physische Replikation kauft die echten Aktien (alle oder eine repräsentative Auswahl). Synthetische Replikation nutzt einen Swap mit einer Bank, die die Indexrendite zahlt. Beide sind in Europa nach den OGAW-Regeln (UCITS) reguliert; die physische ist bei Privatanlegern verbreiteter, weil sie leichter zu verstehen ist.
Bei den Ausschüttungen gibt es zwei Varianten: Thesaurierende Anteilsklassen legen Dividenden automatisch wieder an, ausschüttende zahlen sie dir aus.
3. Warum 1 % Kostenunterschied nicht wenig ist
Die Kosten sind der einzige Teil der Rendite, den du im Voraus kennst. Sie werden jedes Jahr auf dein gesamtes Vermögen berechnet und wirken daher genauso stark gegen dich, wie der Zinseszins für dich wirkt. Ein Rechenbeispiel mit einmalig 10.000 € und einer hypothetischen Bruttorendite von 6 % pro Jahr:
| Jährliche Kosten | Nettorendite | Wert nach 20 Jahren | An Kosten verloren |
|---|---|---|---|
| 0,20 % (Indexfonds) | 5,8 % | 30.880 € | 1.190 € |
| 1,00 % | 5,0 % | 26.530 € | 5.540 € |
| 1,50 % (typischer aktiver Fonds) | 4,5 % | 24.120 € | 7.950 € |
"An Kosten verloren" im Vergleich zu denselben 6 % ohne Kosten (32.071 €). Hypothetische, gerundete Werte; keine Prognose für einen bestimmten Fonds.
Das Argument lautet also nicht "Indexfonds sind besser". Sondern: Egal, was ein aktiver Fonds tut, er muss den Index jedes Jahr um seine Mehrkosten schlagen, nur um gleichzuziehen – und die SPIVA-Berichte von S&P zeigen seit Jahren, dass das den meisten aktiven Fonds über 10 bis 15 Jahre nicht gelingt.
4. Die Indizes, die fast alle nutzen
Einen Indexfonds auswählen heißt vor allem, einen Index auszuwählen. Drei Indexfamilien bündeln den Großteil des Geldes europäischer Privatanleger, und jede beantwortet eine andere Frage:
- MSCI World: rund 1.300 große und mittlere Unternehmen aus 23 Industrieländern. Die Standardwahl für "den ganzen entwickelten Markt".
- S&P 500: die 500 größten US-Unternehmen. Stärker auf ein Land konzentriert und der am günstigsten nachzubildende Index.
- Nasdaq-100: die 100 größten Nicht-Finanzunternehmen der Nasdaq. Eine konzentrierte Wette auf große Technologiewerte.
Unser Fondskatalog vergleicht die wichtigsten ETFs und Indexfonds für jeden dieser Indizes, mit ISIN, TER und Replikationsmethode.
5. Indexfonds oder ETF?
Ein ETF ist ein Indexfonds, der an der Börse gehandelt wird. In Deutschland sind die meisten Indexfonds, die Privatanleger kaufen, ohnehin ETFs – klassische, nicht börsengehandelte Indexfonds sind selten und meist teurer. Die Unterschiede erklären wir in ETF vs. Indexfonds: die Unterschiede, die wirklich zählen.
6. Behalte ihn neben deinem restlichen Geld im Blick
Ein Indexfonds ist bewusst langweilig, und genau das ist der Punkt: Schwierig ist nicht die Auswahl, sondern ihn jahrelang in Ruhe zu lassen. Ihn als Anteil deines Gesamtvermögens zu sehen – statt als rote oder grüne Zahl in der Broker-App – macht das deutlich leichter.
Dies ist ein Bildungsinhalt und keine Anlageberatung: Er erklärt Begriffe, damit du selbst entscheiden kannst, und empfiehlt kein bestimmtes Produkt und keine bestimmte Aufteilung.
Häufige Fragen
Ist ein Indexfonds sicher?
Er ist so riskant wie der Index, den er abbildet: Fällt der MSCI World um 30 %, fällt ein MSCI-World-Fonds um etwa 30 %. Er beseitigt das Risiko einer schlechten Auswahl durch ein Fondsmanagement, nicht das Marktrisiko. Fondsvermögen ist Sondervermögen und von der Fondsgesellschaft getrennt – eine Insolvenz der Gesellschaft trifft dein Geld nicht.
Wie viel Geld brauche ich für den Anfang?
Viele Broker bieten ETF-Sparpläne ab 1 € bis 25 € im Monat an, oft ohne Ordergebühr. Wichtiger als der Betrag ist ein Notgroschen vorher: siehe mit wenig Geld investieren.
Welcher ist der beste Indexfonds?
Den einen besten gibt es nicht: Zuerst wählst du den Index (Welt, USA, Technologie), dann vergleichst du die Fonds auf diesen Index nach Gesamtkosten, Tracking-Differenz und Fondsgröße. In unserem Fondskatalog findest du diese Vergleiche nebeneinander.
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